Verkauftes Paradies
Rezensionen , Romane / 4. April 2025

Nord Sentinelle wo ist das? Die westlichste der Andanamen-Inseln im Indischen Ozean ist bis heute – fast – unerforscht. Die Bewohner haben sich bisher erfolgreich gegen Eindringlinge zur Wehr gesetzt. Anders als Sultan Ahmad ibn Abu Bakr, der seine Stadt Harar einem Ungläubigen öffnete. Ein fataler Fehler, wie der französische Autor und Prix Goncourt-Preisträger Jérôme Ferrari meint. „Es ist keine Prophezeiung vonnöten, um zu wissen, dass der erste Reisende stets unzählige Katastrophen nach sich zieht.“ Der Ausverkauf der Insel Besser also der Weg von Nord Sentinelle? So jedenfalls hat Ferrari sein neuestes Buch über den katastrophalen Umgang mit einer Insel genannt. Damit hat er den Lesenden die Frage nahe gelegt, wie das Inselleben aussähe, wenn keine Fremden dort angekommen wären. Paradiesisch? Der Autor würde die Frage wohl bejahen. Denn er wütet gegen den Ausverkauf der Insel, den Verlust von Tradition und Identität. Alles kulminiert am Ende im Mord an einem jungen Touristen. Spirale der Gewalt Doch der Philosoph Ferrari erzählt keinen Krimi. Er schreibt über die Hintergründe, die fast zwangsweise zu der Tat führen. Die Spirale der Gewalt innerhalb der Inselbevölkerung, die sogar die Tiere infiziert. Über den Hass auf die Touristen, die sich schamlos der Insel und ihrer Schönheit…