Reise nach Jerusalem
Reisebücher , Rezensionen / 19. März 2025

Jerusalem ist für Eric-Emmanuel Schmitt („Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“) Moloch und Mythos, Zumutung und Offenbarung: Hier hat der französische Schriftsteller das Gefühl, Christus ganz nahe zu sein, auch wenn die Stadt längst alle Grenzen sprengt. „Die ganze Welt hat sich hier verabredet“, stellt Schmitt in seinem Buch „Jerusalem – Meine Begegnung mit dem Heiligen Land“ fest.  Ungewöhnlich wie dieser meditativ-philosophische Reisebericht ist auch seine Entstehungsgeschichte. Die Bitte des Papstes Denn Papst Franziskus selbst hat Eric-Emmanuel Schmitt gebeten, zum Heiligen Jahr, das derzeit in Rom gefeiert wird, das Heilige Land, Israel, zu bereisen. Zusammen mit einer Gruppe aus Réunion macht sich der Autor auf die Erkundung der heiligen Stätten. Seit einer Art Erweckung im Ahaggar-Gebirge sieht sich Eric-Emmanuel Schmitt als Gläubiger. Deshalb ist es für ihn eine ganz besondere Erfahrung, die Orte zu besuchen, an denen Jesus gelebt und gewirkt hat. Auch den Ort, an dem er gelitten hat und gestorben ist: Jerusalem. Nazareth heute Doch die ersten Eindrücke sind enttäuschend: „Die einzige Wiege des Außergewöhnlichen ist das Gewöhnliche“ notiert Schmitt nach der Erfahrung im heutigen Nazareth – „mit den Benzinschwaden und den fettigen Ausdünstungen der Fast-Food-Restaurants, dem Geknatter der Mofas und de Gehupe der Busse, dem Gedudel…

Loblied auf ein schwieriges Land
Reisebücher , Rezensionen / 22. Dezember 2022

Zu Weihnachten zieht es viele Christen ins Heilige Land. Und damit rückt ein Krisenherd im Nahen Osten wieder ins Bewusstsein. Denn bis heute ist das Heilige Land gespalten ebenso wie Jerusalem. Und immer wieder eskaliert der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Dass das oft nicht an Israel liegt, macht die in Los Angeles lebende israelische Schauspielerin und Produzentin Noa Tishby in ihrem Buch  „Israel“ klar. Israel und seine Geschichte Tishby nennt es einen „Faktencheck über das am meisten missverstandene Land der Welt“. Auf fast 200 Seiten breitet sie die Geschichte ihres Heimatlandes aus – angefangen bei biblischen Zeiten über die zionistische Bewegung, die Rückkehr der Juden während und nach dem Holocaust, die Staatsgründung, die Kibbuz, den Aufbau des Landes unter Ben Gurion, die kriegerischen Auseinandersetzungen, den Terror-Alltag bis in die – unsichere – Gegenwart. Zeitreise und Familiengeheimnisse Tishby nimmt die Lesenden mit auf eine Zeitreise und dröselt die blutigen Konflikte im und um das Heilige Land auf. Dabei integriert sie ihre Familiengeschichte und erzählt – erstaunlich ehrlich – aus dem eigenen Leben. Die Israelin ist eine eloquente Erzählerin, die sich auch moderner Stilmittel zu bedienen weiß. Denn sie will vor allem die Millennials ansprechen, die ihrer Meinung nach mit…