Am Ende aller Hoffnung
Rezensionen , Romane / 10. Dezember 2024

Der in Minsk geborene Sasha Filipenko macht aus seiner Gegnerschaft zum Präsidenten von Belarus kein Hehl. In seinem neuen Roman „Der Schatten einer offenen Tür“ zeichnet der heute in der Schweiz lebende Schriftsteller ein düsteres Bild der russischen Gegenwart – inspiriert von einer wahren Geschichte. Ein Geschenk mit Nebenwirkungen Der Roman ist eingeteilt in 24 Gesänge. Am Ende stehen Epilog und Postskriptum. Im Epilog geht es nochmal um die wichtigsten Personen und Handlungen des Romangeschehens: Um den Moskauer Kommissar Alexander Koslow, der als Ermittler nach Ostrog geschickt wurde, nachdem sich in einem Kinderheim mehrere Kinder selbst getötet hatten. Und um das Danaergeschenk des Bürgermeisters, der den Waisenkindern Ferien am Meer spendiert hatte, was dazu führte, dass sie hinterher noch unglücklicher waren. Ein Kauz als Bauernopfer Der Kommissar ist zunächst ratlos, auch weil er primär mit sich selbst beschäftigt ist, seit seine Frau ihn verlassen hat. Warum soll er sich da in der Provinz mit unfähigen Polizisten und sadistischen Wärtern rumschlagen? Deren Opfer ist der gutwillige Kauz Petja Pawlow, der selbst im Kinderheim aufgewachsen ist. Ausgerechnet der harmlose Petja soll die Jugendlichen ermordet haben. Dabei weist nichts auf Fremdeinwirkung hin. Aber bei jedem Opfer wurde seine DNA gefunden. Er muss also…

Ein Land im Koma
Rezensionen / 25. März 2021

Was für ein Buch: Sasha Filipenko, 1984 in Minsk geboren und in St. Petersburg lebend, hat das belarussische Drama in einen Roman gegossen, der niemand kalt lassen kann. Zu gegenwärtig sind noch die verzweifelten Demonstrationen gegen Lukaschenko auf den Straßen von Minsk. „Meine inständige Hoffnung ist, dass diese Buch in meinem Land eines Tages nicht mehr aktuell sein wird“ schreibt der Autor im Vorwort. Keine Hoffnung auf Freiheit Es sieht nicht danach aus, als würde diese Hoffnung bald in Erfüllung gehen. Es sieht eher danach aus, als würde das Land unter dem ungeliebten Diktator weiter im Koma dahinsiechen, als würde alles bleiben wie es ist. Keine Aussicht auf Veränderung, keine Hoffnung auf Freiheit. Filipenko hat dafür Bilder gefunden, die haften bleiben. Angepasstes Leben Im Zentrum des Romans steht der 16-jährige Franzisk Lukitsch, der bei seiner liebevollen aber strengen Babuschka aufwächst und in einem staatlichen Gymnasium Cello lernt. Die Lehrer sind angepasst, unterrichten nach staatlicher Interpretation, andere haben keine Chance. Franzisk und seine Freunde sind es leid, wollen Spaß haben, die Jugend genießen, das Leben feiern. Doch bei einer Massenpanik wird der Junge schwer verletzt und fällt ins Koma. Die Hoffnung der Babuschka Obwohl der behandelnde Arzt und spätere Mann der…