Stefan Kaminski und Das Lied von Eis und Feuer

25. März 2025

Stefan Kaminsky hat für eine aufwendige Hörbuch-Neuproduktion  von George R.R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“ mit seiner wandlungsfähigen Stimme eines der größten Fantasy-Epen zum Leben erweckt.  Wie er das gemacht hat und wie er die Produktionszeit erlebt hat, hat er mir in einem langen Gespräch verraten.

Sind Sie ein Game of Thrones Fan, Herr Kaminski?
Stefan Kaminski: Kommt drauf an. Ich bin begeistert von dem Stoff von George R.R. Martin. Ich bin einer, der sich gerne einlässt. Auf Geschichten, die tief sind. Mit Figuren, die scharf gezeichnet sind und mit überraschenden Wendungen. Wo die Sprache schön ist. Davon bin ich Fan. Ich würde mich nicht vergleichen mit einem typischen Fan von Game of Thrones, der die ganze Hintergrundgeschichte kennt und gebannt darauf wartet, zu erfahren, wie es weitergeht. Ich bin großer Fan von David Lynch. Ich bin ein großer Fan von Heavy Metal. Ich bin großer Fan von Wladimir Sorokin. Arno Schmidt und Haruki Murakami. Da bin ich Fan. Das heißt nicht, dass ich nicht begeistert bin vom Game of Thrones. Aber noch viel mehr begeistert bin ich vom Roman, vom Originalstoff. Das Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin. Das hat mich gefesselt, reingezogen, und ich konnte mich darin mit all meinen Qualitäten ausleben. Das war ein Hochgenuss, über den ich sehr, sehr glücklich bin.

Stefan Kaminski/ Foto: Anita Back

Wie haben Sie sich denn dem gewaltigen Stoff genähert? Durch Lektüre, die Filme, die Drehorte?
Stefan Kaminski: Die Game-of-Thrones-Serie hatte ich davor tatsächlich noch nicht gesehen. Ich habe mich Band für Band vorgearbeitet. Es ist natürlich wertvoll, wenn man als Transporteur einer Geschichte schon weiß, wohin sich Figuren entwickeln werden und wie sie funktionieren. Deswegen war es total gut, dass es diese opulent und auch sehr, sehr gut umgesetzte Serie dazu gab. Die habe ich von vorne bis hinten durchgeguckt. Auch in den Bereich hinein, wo es dann nicht das Ende von George Martin war, sondern das der Produzenten, die offensichtlich ganz schnell zum Schluss kommen wollten. Das alles habe ich mir reingezogen, und ich habe auch festgestellt, dass die Figuren sehr gut und sehr genau gezeichnet waren. Ich habe mir das im englischen Original angesehen und war begeistert. Auch erschrocken von vielen Dingen. Wie da Tabu über Tabu gesprengt wurde, Sachen vollkommen brutalisiert dargestellt waren, wie Kinder und Frauen behandelt wurden. Und ich habe festgestellt beim Lesen, was ich ja parallel dazu getan habe, dass es bei George R.R. Martin sehr viel mehr Abstufungen gibt, dass da sehr viel Feinsinn und auch Hintergründe für die Figuren zum Tragen kommen, die in der Serie so gar nicht transportiert werden. Die Serie hat mich also unterstützt, aber das Feeling habe ich durch das Buch bekommen. Ich habe allergrößten Respekt für den Autor.

Das ganze Epos allein einzusprechen sprechen, ist ja eine wahnsinnige Herausforderung. War Ihnen das von Anfang an klar?
Stefan Kaminski: Ja, auf jeden Fall. Ich wusste, dass es allein durch die opulente Serie Millionen Menschen in den Bann gezogen hat. Es gibt wahnsinnig viele Dinge im Internet, die man dazu finden kann, vom Blog bis hin zu ganzen Anthologien oder Stammbäumen. Es ist eine eigene Geschichte, eine eigene Landschaft, ein eigener Planet. So wie bei Herr der Ringe von Tolkien.

Die grandiose Geschichte
als Pop-up-Hörbuch

Martin sagt ja selbst, dass er auch von Herr der Ringe inspiriert ist…
Stefan Kaminski: Ja, natürlich. Da kommt aber noch ganz viel Kosmos hinzu. Shakespeare ist drin und die ganzen englischen Thronkämpfe über die Jahrhunderte. Das alles gekoppelt mit globaler Menschheitsgeschichte. Als Parabel, als Zuspitzung all dessen, was die Menschheit über Jahrtausende ausgemacht hat, hat dieser fiktive Stoff einen großen Anspruch. Und ich wusste einfach, das ist jetzt eine fette Sache, in die ich mich hineinwerfen möchte, weil sie es wert ist. Und dass sie sprachlich so großartig war, hat mir richtig Feuer gegeben, weil ich Sprache gerne kaue. Die Fülle an Figuren und Namen und fremden Begriffen fand ich herausfordernd. Da hatte ich die Unterstützung des Verlags, was die Aussprache betrifft. Auch ein Glossar hatte ich. Und dann die Mitarbeit der Kollegen von Random House, die mir immer wieder gesagt haben, das ist der Sohn von dem und dem und so weiter. Das ist wichtig, gerade wenn du Teil zwei liest und noch nicht drei, vier oder fünf vor dir liegen hast. So konnte ich mich lustvoll und begleitet reinwerfen. Ich mache seit 20 Jahren Hörbücher. Für mich war es ein Riesengeschenk, diese grandiose Geschichte wie ein Pop-up-Hörbuch entfalten zu dürfen. Es gab keine Limits. Ich konnte frei walten, und das war wunderbar.

Kann man sich auf diese Mammut-Aufgabe überhaupt vorbereiten? Haben Sie Stimmübungen gemacht oder wie war das vorher? Mit 20 Jahren Hörbuch-Erfahrung sind Sie natürlich ein geübter Sprecher.
Stefan Kaminski: Das ist wie bei einem Sänger oder einem Organisten, einem Rockmusiker. Die wissen, was in ihnen steckt, sind Profis, folgen aber auch frei ihren Impulsen. So mache ich es ebenfalls. Ich will wissen, wann wer spricht, schreibe ich mir alles ein, Betonungen, teils Hebungen und Senkungen. Das entsteht im Flow. Ich lese den Text durch, mache meine Anmerkungen. Dann gehe ich ins Studio und lasse mich sozusagen von mir selbst und meinen Vibrations überraschen. Erst dort gehe ich in die Figuren. Von manchen wusste ich schon, wie sie werden. Zum Beispiel Varys, der Eunuch, ein politisch Taktierender. Da habe ich versucht, mich an der Stimme zu orientieren, die man vom Schauspieler kennt. Du kannst ja auch nicht Pumuckl machen und dann nicht mehr klingen wie Pumuckl. Da gibt es Erwartungen und auch schon bereits völlig treffende Merkmale.

„Ich bin viele,  ohne
wahnsinnig zu sein“

Aber wie entwickeln Sie die unterschiedlichen Stimmen? Wie macht man das, dass man sowohl einen kleinen Jungen sprechen kann, eine junge Frau, einen alten Mann bis zum Rabenkrächzen? Wie kriegt man das hin?
Stefan Kaminski: Das ist so etwas wie eine Spezialität von mir. Es gibt verschiedene Menschen, die so was können. Für mich ist das eine ganz kindliche Herangehensweise. Ich spiele gern. Ich denke mir gern was aus. Ich habe auch ganz viele Informationen aus dem Text. Von einem sehr gut beschreibenden George R.R.Martin, der bei vielen Figuren detailreich die stimmlichen oder körperlichen Besonderheiten beschreibt. Und wenn ich mir vorstelle, da ist jemand zahnlos oder hat ein Holzgebiss (klingt als hätte er ein Holzgebiss). Das ist natürlich ein super Hinweis. Ich orientiere mich in meinem Leben, beobachte viel, nehme ganz viel auf. Und das baue ich ein. Meine Begegnung, meine Fantasie wird jeden Tag reicher und verbindet das mit den Beschreibungen, die im Buch stehen. Und dann gehe ich in die Verfremdung, aber nehme jeden Satz und jedes Wort und jeden Atemzug so ernst, wie es die Figuren verdienen. Das ist eine Klaviatur, die ich bediene. Ich habe schon als Kind Hörspiele aufgenommen und Geschichten in verschiedenen Rollen erzählt. Das kann ich. Ich bin ich sozusagen viele, ohne wahnsinnig zu sein. Denn ich habe durchaus alles unter Kontrolle.

Haben Sie denn eine Lieblingsfigur? Sie leben ja praktisch in diesem ganz eigenen Universum mit 700 Figuren. Da gibt es sicher einige, die Ihnen nahe kommen.
Stefan Kaminski: Interessant ist, dass ich diese Frage schon oft gestellt bekommen habe und dass sich bei mir im Bewusstsein da einiges verändert hat. Am Anfang habe ich gesagt: Oh, natürlich ist das der kleinwüchsige Tyrion mit seiner Schärfe und Direktheit. Er ist weder ein Mann wie alle anderen, noch ist er einer, der kämpfen könnte. Er ist einer der, der mit Sprache, Intellekt und Wissen ganz viel erreicht. Aber die Figuren, die mich am meisten kriegen, sind die Kinder. Arya finde ganz wundervoll, diese sich durchbeißende, kratzende Katze, die sich mit Mut und Kraft allein durch die Welt schlägt und trickreich ihre Schlupflöcher sucht. Die geschundene Kreatur, die im Buch zehn ist. Und Sansa, die in ihrer Zerbrechlichkeit und Zartheit das krasse Gegenstück zu ihr ist. Die finde ich toll. Ich liebe diese Figuren. Und ich mag Bran. Bran, der diese Verbindung zu den Tieren hat, zu dem dreiäugigen Raben. Der sich auch in andere hinein projizieren kann wie ein Gestaltwandler. Da ist dieses Schamanische, das so tief wurzelt in der Urgeschichte der Menschen und Wesen dort, in diesem Kosmos. Diese Kapitel haben was von einem Kinderbuch, einem mit Gänsehaut und einer ganz zarten inneren Glut. Das liebe ich am meisten. Und dann mag ich Brienne von Tarth, die mit der unverbrüchlichen Treue im Herzen. Das ist eine richtig starke Frau. Es gibt übrigens wahnsinnig viele sehr starke Frauen in diesem Buch, was ich angemessen finde.

Die Arbeit am Hörbuch
war Bestandteil des Alltags

Man merkt schon, dass Sie zu Hause sind in dieser Fantasiewelt, in der Sie 100 Tage verbracht haben, mehr als drei Monate. Wie kommt man da wieder raus?
Stefan Kaminski: Für mich war das ein Zeitraum von Februar bis November, weil wir natürlich das Ganze nicht am Stück gemacht haben, sondern jeden Monat ein bis zwei Bände, ausgenommen in den Sommerferien. In diesen Zeiträumen begebe ich mich in die Fantasiewelt, verschwinde für vier Stunden lesend unter dieser Glocke und bin danach fix und fertig. Dann gehe ich nach Hause und bereite noch ein bisschen fürs nächste Buch vor oder befasse mich mit ganz anderen Sachen, treffe Freunde, esse, koche, höre was, kucke. Das ist überhaupt kein Problem. Das Lesen ist ein Arbeitsprozess. Und aus dem geht man dann einfach, wie wenn man aus dem Büro kommt, wieder raus. Ich verschwinde nicht in der Geschichte und muss dann irgendwie ganz lange graben, um in den Alltag zurückzufinden.

Damit haben Sie meine nächste Frage eigentlich schon beantwortet. Es gab also in dieser langen Zeit so etwas wie Alltag?
Stefan Kaminski: Klar. Die Arbeit war ja Bestandteil des Alltags. Wie andere auch bin ich zu meiner Arbeit gegangen und bin zwischen 9 und 14 Uhr in diese Welt abgetaucht. Das war natürlich eine besonders intensive Zeit und auch ungewöhnlich in meinem Job mit dieser Routine von Februar bis November. Diese Struktur fand ich sehr gut. Und wenn ich am Nachmittag geschlafen habe, weil ich einfach müde war, konnte ich danach den Abend genießen. Mit der Liebsten, mit Freunden oder für mich allein. Das ist durchaus ein sehr geregelter Alltag. Das hat sich schön angefühlt. Wertig. Ich bin auf Arbeit gegangen, und die Arbeit hatte ganz viel mit mir zu tun. Und die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren genauso begeistert wie ich. Es war fantastisch, mit einem Team unterwegs zu sein, sich täglich zu treffen und was Großes auszuhecken.

Das tolle Hörbuch ist aber nicht nur eine Herausforderung für die Macher, sondern auch für die Hörenden. Mit 212 Stunden Laufzeit. Man müsste also knapp neun Tage Tag und Nacht hören. Wie geht man damit um? Wie viele Stunden kann muss man dranbleiben, um nicht den Faden zu verlieren?
Stefan Kaminski: Also wenn man ein begeisterter Hörer ist von Fantasy oder von Hörbüchern überhaupt, kriegt man das schon hin. Man kann für sich im Auto hören, beim Einschlafen, gemütlich am Nachmittag oder am späten Abend. Und man verliert ja nicht gleich den Faden. Da hat jeder sein Tempo. Das Ganze ist schlicht und ergreifend eine breite Geschichte, die sich, wenn man hineinwächst, aufklappt wie ein unglaublicher Kosmos an Figuren. Hier gibt ja auch die Serie. Und die Leute, die das kaufen, wissen möglicherweise sogar schon um die Geschichte. Die werden das dann gerne hören. So ist mir mit Herr der Ringe gegangen. Da habe ich erst das Buch gelesen, dann habe ich das Hörspiel gehört und dann bin ich ins Kino gegangen. Die Filme habe ich alle schon dreimal gesehen, auch in der Langfassung. Das Hörspiel liegt hier immer noch, und ich weiß genau, dass ich es im Laufe meines Lebens noch mal hören werde, weil ich weiß, wie gut es sich anfühlt, in diese Welt zu sinken. Darauf werde ich dann Lust haben, wenn ich irgendwann in einer schönen Hütte sitze, im Herbst, mit einem Kamin, dann ziehe ich mir das rein. Dann kenne ich die Geschichte schon und werde umspült von ihr und entdecke Dinge, die mir vorher gar nicht aufgefallen waren. Es wird niemand aus dem Nichts heraus so viel Geld ausgeben für die irre Prachtfassung von Random House. Wahrscheinlich wird eher mal jemand sagen ich probiere mal Band eins als Download. Wenn man dann Feuer fängt, wird man der Reihe nach weitergehen.

Es gibt ja eben auch Bücher und die Serie, die das Ganze zu einem internationalen Phänomen gemacht hat. Was kann das Hörbuch denn noch zu diesem Hype noch beitragen?
Stefan Kaminski: Also um den Hype geht es mir null. Mir geht es um das Erzählen einer Geschichte. Darum, lesende Landschaft zu sein auf eine Weise, die irgendwo zwischen Buch und Film liegt. Ich bin Schauspieler, und ich will natürlich mit meiner Art zu lesen die Menschen erreichen. Wobei es natürlich unterschiedliche Lesarten gibt. Denken wir nur mal an Harry Potter. Da gibt es die Fassung von Rufus Beck. Das ist eine vielstimmige, sehr komödiantische Fassung. Und es gibt die andere Lesung von Felix von Manteuffel, die ist sehr romanhaft, dunkel. Eine völlig andere Art, Harry Potter zu lesen. Genauso stark, aber vollkommen anders. Beide haben ihren Platz. Und ich habe jetzt hier die Chance, mit meiner Spezialität der Vielfarbigkeit und mit der emotionalen Einlassung, eine bekannte Geschichte auf eine andere Weise zu erzählen. Das ist mein Anspruch. Schön für mich, dass ich das machen darf, dass ich alles ausprobieren durfte, was ich wollte. Und was da entstanden ist, hat jetzt seinen Platz und wird auch bleiben. Auch die Serie wird es immer geben. Die Bücher wird es immer geben. Und ob der Autor zu Ende schreibt, ist mir völlig egal. Ich finde das schon jetzt großartig. Auch das Leben ist ja nicht von vorn bis hinten klar. Wenn was offen bleibt, finde ich das super. Von mir aus hätten die sich nicht so beeilen müssen mit ihrer Serie. Da gab es doch eher monetäre Beweggründe.

Ein Votum für
die natürliche Intelligenz

Streaming hat so einiges verändert. Auch Podcasts boomen derzeit. Hören scheint wieder en vogue. Könnte Hören das Lesen ablösen?
Stefan Kaminski: Ich glaube, alles hat weiterhin seinen Platz. So wie hoffentlich auch die KI nicht die natürliche Intelligenz ablöst, die NI. Ich möchte gerne ein Votum abgeben für die Natürliche Intelligenz, dass Menschen sich beschäftigen, dass sie reflektieren, dass sie lesen, dass sie hören, dass sie schauen und dass sie miteinander ins Gespräch kommen. Also ich glaube, dass sowohl das Lesen als auch das Hören Fantasie anregend sind und dazu beitragen, dass die Menschen sich weiter entwickeln in ihrem sozialen Umfeld. Und Fernsehen oder Filme sind ebenso bereichernd. Das wird immer bleiben. Das Theater wird auch bleiben. Wir leben ja in einer Zeit, wo sich ganz vieles mischt – ob bei den Klamotten, im Styling, in der Musik. Eine bunte Fülle. Solange wir wach sind und aus all unseren Möglichkeiten schöpfen, ist das gut. Früher hat man gesagt: Lies doch nicht so viel, geh lieber mal und hilf auf dem Feld. Dann hieß es: Jetzt glotz‘ doch nicht so viel Fernsehen, lies‘ doch lieber mal ein Buch. Heute sagt man: Hör‘ doch mal auf mit dem Gezocke, kannst du nicht mal einen ordentlichen Film gucken? Und die nächste Generation sagt vielleicht: Setz‘ doch mal die VR-Brille ab, da draußen ist das Leben. Ich denke, ein gutes Buch wird nicht vom Markt verschwinden, auch nicht ein gutes Hörbuch. Sicherlich wird es vermehrt Streaming sein. Aber wenn uns mal der Saft ausgeht und die Masten schweigen, wird jeder froh sein das er noch ein gutes Buch oder Hörbuch im Schrank hat. Denn da entfaltet sich eine Welt, an der man selbst beteiligt ist: Kino im Kopf.

Wenn ich mich recht entsinne, gab es schon vor Jahren mal einen großen Trend hin zum Hörbuch. Da schossen die Hörbuchverlage geradezu aus dem Boden und alle Verlage wollten mitmachen. Man war überzeugt, dass gedruckte Bücher nicht mehr so gefragt waren und Hörbücher die nächste große Sache waren. Wiederholt sich da etwas?
Stefan Kaminski: Nein, das glaube ich nicht. Es gibt so viel auf dem Markt, Bücher, Hörbücher und jetzt noch diese Geschichte. Ganz bald, schon morgen gibt es gänzlich KI-generierte oder gesprochene Texte, Retortenzeug. Da besteht die Gefahr, dass wir uns alles abnehmen lassen von einer sich selbst weiterentwickelnden KI. Damit würden all die Science-Fiction-Filme Wirklichkeit werden. Aber noch haben wir sie ja, die Bücher und die Hörbücher. Noch können wir selbst entscheiden und agieren. Ich habe mir neulich einen Block gekauft und einen schönen Stift. Ich will wieder Sachen aufschreiben. Ich habe mir wieder Schallplatten angeschafft und Geld für einen Plattenspieler ausgegeben. Und als ich zwei Wochen krank war, habe ich wieder Murakami gelesen. So etwas inspiriert mich. Ich glaube, das muss man auch der jüngeren Generation vermitteln. Ich lese auch viele Kinderbücher ein für Vier- oder Fünfjährige. Ich mache diesen Job, weil ich mich als Kind einmal von Geschichten habe begeistern lassen, die mir liebevoll vorgetragen wurden. Das wollte ich selber können, deshalb bin ich kreativ geworden.

Zur Person 

Stefan Kaminski / Foto: Anita Back

 

Stefan Kaminski, 1974 in Dresden geboren, hat an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch studiert und am Deutschen Theater in Berlin gespielt. Dort entstand 2004 auch sein Live-Hörspielformat „Kaminski on air“. Als wandlungsfähiger Hörspiel- und Hörbuchsprecher wurde er vielfach ausgezeichnet. Die aufwändige Hörbuch-Produktion von George R.R. Martins „Das Lied aus Eis und Feuer“ ist für ihn „das Größte, was ich in meinem Hörbuchleben gemacht habe“. Stefan Kaminski lebt in Berlin.

Info George R.R. Martin.  Das Lied von Eis und Feuer – Die große Hörbuch-Box, alle 10 Bände in einer Box, 34 MP3-CDs, ungekürzte Lesung von Stefan Kaminski, Random House Audio,
150 Euro

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