Reise nach Jerusalem

19. März 2025

Jerusalem ist für Eric-Emmanuel Schmitt („Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“) Moloch und Mythos, Zumutung und Offenbarung: Hier hat der französische Schriftsteller das Gefühl, Christus ganz nahe zu sein, auch wenn die Stadt längst alle Grenzen sprengt. „Die ganze Welt hat sich hier verabredet“, stellt Schmitt in seinem Buch „Jerusalem – Meine Begegnung mit dem Heiligen Land“ fest.  Ungewöhnlich wie dieser meditativ-philosophische Reisebericht ist auch seine Entstehungsgeschichte.

Die Bitte des Papstes

Denn Papst Franziskus selbst hat Eric-Emmanuel Schmitt gebeten, zum Heiligen Jahr, das derzeit in Rom gefeiert wird, das Heilige Land, Israel, zu bereisen. Zusammen mit einer Gruppe aus Réunion macht sich der Autor auf die Erkundung der heiligen Stätten. Seit einer Art Erweckung im Ahaggar-Gebirge sieht sich Eric-Emmanuel Schmitt als Gläubiger. Deshalb ist es für ihn eine ganz besondere Erfahrung, die Orte zu besuchen, an denen Jesus gelebt und gewirkt hat. Auch den Ort, an dem er gelitten hat und gestorben ist: Jerusalem.

Nazareth heute

Doch die ersten Eindrücke sind enttäuschend: „Die einzige Wiege des Außergewöhnlichen ist das Gewöhnliche“ notiert Schmitt nach der Erfahrung im heutigen Nazareth – „mit den Benzinschwaden und den fettigen Ausdünstungen der Fast-Food-Restaurants, dem Geknatter der Mofas und de Gehupe der Busse, dem Gedudel internationaler Unterhaltungsmusik aus offenen Autofenstern und der touristischen Folklore“.

Zeitreise

Ganz anders der See Genezareth, wo der Autor eine intakte Landschaft entdeckt „die Zeit ist aufgehoben: in mir werden Empfindungen geweckt, die mir vorkommen als stammten sie aus der Zeit der Apostel“. Dann Kapernaum, „ein wahres Sammelsurium von Antiquitäten. Ausgestellt unter freiem Himmel mischen sich israelitische Überreste mit griechischen, römischen, byzantinischen“. In Caesarea lässt Schmitt sich von seiner Vorstellungskraft in die Geschichte zurücktragen, auch in die seines Glaubens: „Hier hisste das Christentum die Segel, stach in See und verbreitete sich über die Welt“.

Die Weisheit der Steine

Doch nicht alle Begegnungen sind positiv. Schmitt ärgert sich über geldgierige Mönche, über Kitsch und Kommerz in weltberühmten Stätten. Er stößt sich an der Mauer, die den israelischen vom palästinensischen Teil des Landes trennt und fühlt sich von Banksys Friedenstaube in der kugelsicheren Weste angesprochen. Er erlebt ein Land der Widersprüche und der Zeitlosigkeit. Besonders in Jerusalem, dieser „arroganten, harten Stadt mit ihren scharfen Umrissen“. Genau dort aber hat er das Gefühl, dass die Steine etwas zustande brächten, „das die Menschen nicht vermögen: zusammenleben“.

Mystische Erlebnisse

Am Ende des Buches stehen Schmitts Begegnung mit Papst Franziskus und das Nachwort des Papstes, in dem der dieser Schmitts „poetische Intensität“ lobt. Tatsächlich vermischen sich in diesem Buch, das wohl vor dem Massaker vom 7. Oktober und dem nachfolgenden Krieg entstanden ist, die ganz normalen Reise-Erfahrungen mit mystischen Erlebnissen. „Manche suchen ihre Wurzeln in der Erde“, schreibt Schmitt, „Ich habe habe sie im Himmel gefunden“.

Info Eric-Emmanuel Schmitt. Jerusalem: Meine Begegnung mit dem Heiligen Land, C. Bertelsmann, 224 S. 22 Euro, ISBN 978-3- 570-10544-3

 

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