Was der Eiffelturm mit der Eifel zu tun hat? Ein Urahn des berühmten Architekten stammte wohl aus der Landschaft, deren Grenzen fließend sind, und deren Schönheit erst relativ spät erkannt wurde. Das gilt nicht für Ralf Kramp. Er ist ein überzeugter Eifeler, das merkt man seiner „Gebrauchsanweisung für die Eifel“ auch an.
Der umtriebige Verleger und Krimi-Autor kennt jede Ecke seiner Heimatregion – nicht nur die Schauplätze der eigenen Krimis. Und in Hillesheim hat er der Eifel mit dem „Deutschen Krimi-Archiv“ eine ganz besondere Attraktion beschert.
Eifelkrimi und Hemingway
Kein Wunder, dass der Autor auch gern von anderen Autoren erzählt, die in der Eifel tätig waren wie Kramps viel zitierter Freund Jacques Berndorf, der die Eifelkrimis erfand und den Regionalkrimi salonfähig machte. Im Kapitel „Tot überm Zaun“ beschreibt Kramp, wie die Eifel „mit Leichen wirbt“. Sie könnte auch mit anderen Schriftstellern werben, obwohl Hemingway über seinen Aufenthalt in der Eifel wenig schmeichelhaft schrieb: „Eine Gegend, in der es äußerst schwierig war, am Leben zu bleiben, selbst wenn man nichts weiter tat, als dort zu sein.“
Bilderbuch-Orte und Lost Places
Auch mit Drehorten könnte die Eifel werben. Nicht nur die Eifel-Praxis wurde hier gedreht, auch für Indiana Jones oder Sönke Wortmanns „Die Päpstin“ wurden Drehorte in der Eifel gefunden. Kein Wunder, gibt es in dieser Gegend doch nicht nur Bilderbuch-Örtchen wie Monschau oder Monreal, sondern auch Relikte aus der Nachkriegszeit wie das Dorf Wollseifen, heute ein Lost Place, eine Ansammlung von Ruinen, überragt vom Glockenturm der noch erhaltenen Kirche. 5O0 Wollseifener hatten 1950 ihr Dorf räumen müssen, als es die Belgier zum Truppenübungsplatz machten. Auch das gehört zur Geschichte der Eifel.
Bunker und Burgen
Und dann ist da natürlich die grandiose Natur mit den berühmten Maaren, von Poeten als die „blauen Augen der Eifel“ besungen. Oder das Ahrtal, wo die Ahr lange ganz unschuldig durch die steilen Rebhänge tanzte, bis sie im Sommer 2021 mit der verheerenden Flut ihre Unschuld verlor. Ralf Kramp schreibt über den Nürburgring genauso wie über die Römer in der Eifel, über den Regierungsbunker und über die Burgen. Er weiß um die Feinheiten des Dialekts und über die Köstlichkeiten der Küche.
Adenauer in der Eifel
Und Kramp weiß auch, dass Konrad Adenauer 12 Monate im Kloster Maria Laach in der Eifel Zuflucht vor den Nazis gesucht hatte. In der „Abgeschiedenheit der Eifeler Wälder“ wollte später sein Schwiegersohn dem „Alten“ ein Gäste- und Jagdhaus als Geschenk der Deutschen Wirtschaft hinstellen. „Camp Konrad“ wurde nie fertiggestellt, noch ein Lost Place in der Eifel.
Diese Gebrauchsanweisung ist eine echte Verführung zu einem Urlaub in der Eifel, zum Wandern, Entdecken und Genießen – mit oder ohne Krimi.
Info Ralf Kramp. Gebrauchsanweisung für die Eifel, Piper, 218 S., 16 Euro
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