Ursula Poznanski ist eine Meisterin der Spannung. Am liebsten entwickelt sie ihre Thriller rund um aktuelle Technologien. Das gilt auch für ihren neuen Thriller „Scandor“. Nein, es geht nicht um die viel diskutierte KI, auch wenn dieser Lügendetektor KI-Elemente enthält. Er reagiert auf die kleinste Flunkerei und korrespondiert über Körperfunktionen. Nicht so schlimm, denkt man erstmal. Aber wir kennen ja Ursula Poznanski. Sie hat sich da wieder ein Szenario ausgedacht, das Ängste vor übergriffigen digitalen Errungenschaften schürt. Lügen und Traumata Philipp und Tessa, beide 18, haben sich auf eine ganz besondere Herausforderung eingelassen und lernen einander dabei kennen. Sie sind zwei von 100 Menschen, die einen neu entwickelten, unfehlbaren Lügendetektor testen sollen: Scandor. Wer beim Lügen erwischt wird, ist draußen und muss sich dem Trauma seines Lebens stellen. Dem Sieger winken fünf Millionen Euro. Viel Geld, das einige der Teilnehmenden dazu verlockt, bei den Frage- und Antwort-Duellen zu unfairen Mitteln zu greifen. Und dann gibt es wohl jemanden im Hintergrund, der die Fäden zieht und seine ganz eigenen Ziele verfolgt. Die Spannung wächst Es fängt alles ganz harmlos an und steigert sich ab der Mitte bis zum Show Down am Ende, der einige der losen Fäden zusammenführt. Auch wenn da…
Stephan Orth ist sicher einer der unerschrockensten Couchsurfer. 43 Jahre ist der Journalist und Buchautor inzwischen alt und noch immer bettet er sich gern auf Luftmatratzen, Sofas und Behelfsbetten, die Menschen für ihn bereitstellen, die er nur dem Namen nach kennt. Unerschrocken ist er deshalb, weil er sich dabei auch in Diktaturen wie den Iran wagt oder nach Russland. Doch so unerschrocken wie diesmal war er wohl noch nie. Denn der Couchsurfer, mittlerweile mit einer Ukrainerin liiert, hat die Ukraine zu seinem Ziel erkoren. Starke Geschichten Nicht ohne sich und seine Beweggründe zu hinterfragen: „Ich erlebe Tragödien aus der Nähe, und dann versuche ich, daraus Aufmerksamkeit zu generieren. Je extremer meine Erlebnisse sind, je mehr Gefahr ich mich aussetze, desto stärker die Geschichte“, weiß er aus eigener Erfahrung. Und eine starke Geschichte will er schreiben, um möglichst vielen Menschen eine Ukraine näher zu bringen, die sie nicht aus dem Fernsehen oder den Nachrichten kennen. Hoffnung auf das Kriegsende Natürlich ist Stephan Orth nicht in das vom Krieg heimgesuchte Land gereist, um touristische Tipps zu geben. Aber er will die Lesenden ermuntern: „Fahren Sie in die Ukraine, sobald das die Sicherheitslage erlaubt… Es lohnt sich sehr.“ Und er hofft auch: „Irgendwann…
Er wollte nie viel von sich preisgeben. Auch weil er nicht mit der Familie von Schirach und deren Verstrickungen in der NS-Zeit in Verbindung gebracht werden wollte, hat er sich hinter einem selbst gewählten Namen versteckt: Benedict Wells. Doch in dem Buch „Die Geschichten in uns“, das er seinem Vater gewidmet hat, lässt der immer noch jugendlich wirkende Erfolgsautor die Lesenden teilhaben an seinem Leben und Schreiben. Inspiration von Stephen King Die Gedanken und Sätze dieses Buches kamen ihm fast mühelos, schreibt Benedikt Wells im Vorwort. Es ist kein Roman geworden, sondern eine Art Werkstattbericht. Inspiriert dazu hat ihn Stephen King mit seinem Buch „On Writing“ (Über das Schreiben). Und wie sein Vorbild schreibt Wells auch über sich selbst, denn ohne den Jungen, der er war „und sein Aufwachsen kann ich nicht von meinem Schreiben erzählen“. Schwierige Kindheit Und dieses Aufwachsen ist alles andere als einfach. Die Mutter manisch-depressiv, der Vater insolvent. Das staatlich-katholische Grundschulheim empfindet der sensible Junge als eine Zauberwelt weit weg vom Problem behafteten Zuhause. Dass es mit den Eltern auch glückliche Momente gab, will er nicht verhehlen. „Ihre Liebe trotz aller Probleme und der Zugang zur Literatur gehören zu den größten Privilegien meines Lebens.“ Schon mit…
Ganz Deutschland macht Ferien – auch zu Hause. Auch da kann man Abenteuer erleben und gemeinsam Neues entdecken. Zum Beispiel in der Natur. Der Biologe und Outdoor-Experte Manuel Larbig liebt die Natur und ist schon mit Zelt und Schlafsack durch ganz Deutschland gewandert. Mit seinem Naturführer „Warum hämmert der Specht?“ will er Eltern und Kinder dazu animieren, vor der Haustür auf Entdeckungsreise zu gehen. Nachhilfe in Naturkunde Erwachsene bekommen darin eine „Art Nachhilfe in Naturkunde“, Kinder interessante Antworten auf neugierige Fragen. Etwa, was sich hinter den dicken Beulen an den Bäumen verbirgt oder warum die Blätter sich im Herbst bunt färben. Welche Pflanzen giftig sind, ob Pflanzen Gefühle haben oder warum sich manche Seen grün färben. Anregungen für kleine Experimente vertiefen die erworbenen Kenntnisse. Von Mücken und Fliegen Und dann erfährt man auch, dass nicht der Wolf bei uns das gefährlichste Tier ist, sondern viel eher die Mücke, weil sie alle möglichen Krankheiten übertragen kann. Manuel Larbig kann seine Kenntnisse richtig spannend vermitteln. Zur Veranschaulichung erzählt er kleine Anekdoten. Zum Beispiel rund ums Fliegen-Leben, das er in eine Küche verlegt. Wer hätte gedacht, dass so ein kleines Tier mit seinen Facettenaugen 200 Bilder pro Sekunde erfassen kann? Das hilft ihnen…
Davor haben viele Eltern Angst: Dass sie ihre eigenen Kinder nicht mehr verstehen. Aber auch davor, dass die Welt für diese Kinder unerträglich wird. Amelie Fried kennt diese Ängste. In ihrem Roman „Der längste Sommer ihres Lebens“ schreibt sie auch über einen Mutter-Tochter-Konflikt im Zeichen des Klimawandels. Die Karriere im Blick Vordergründig geht es um die Karriere der Unternehmerin Claudia. Die Chefin eines traditionsreichen Autohauses in einer Kleinstadt engagiert sich auch politisch und will Bürgermeisterin werden. Um dafür genug Zeit zu haben, schlägt sie ihren Mann Martin als Geschäftsführer vor – gegen den Willen ihrer Mutter Marianne, die sich immer wieder in die Belange des Autohauses einmischt. Ihre Kinder, denkt Claudia, sind groß genug, um nicht mehr ihre volle Aufmerksamkeit zu benötigen. Familiäre Konflikte Der Sohn Julian ist mit seinen 15 Jahren zwar noch in der Pubertät und gerne aufsässig. Aber Tochter Anouk hat bisher alle Erwartungen er- wenn nicht sogar übererfüllt. Doch dann begehrt Anouk gegen den Familienalltag auf, schmeißt die Schule vor dem Abitur und zieht zu ihrem neuen Freund, dem charismatischen aber undurchsichtigen Joshua. Claudia versteht die Welt nicht mehr. Auch sie und Martin entfremden sich einander immer mehr. Das führt soweit, dass Martin zu einem Freund…
Eine depressive 15-Jährige, ein alter Mann mit Alzheimer und ein hochintelligenter Junge. Reicht das für 317 Seiten? Bei Petra Pellini, der Vorarlberger Autorin funktioniert es wunderbar. Ihr Roman „Der Bademeister ohne Himmel“ ist ein bewegendes Zeitbild, das sowohl von abgrundtiefer Hoffnungslosigkeit als auch von kleinen Glücksmomenten lebt. Der junge und der alte Freund „Es gibt zwei Menschen, die mich von der Sache mit dem Auto abhalten“, schreibt die Ich-Erzählerin Linda, „Kevin und Hubert. Kevin wohnt um die Ecke, ist voll intelligent und Hubert wohnt im dritten Stock und ist voll dement.“ Der 86-Jährige, der vor Jahren seine Frau verloren hat und immer noch darauf wartet, dass sie nach Hause kommt, war in seinem früheren Leben Bademeister. Jetzt ist er auf die Hilfe von polnischen Pflegerinnen angewiesen, die von seiner Tochter bezahlt werden. Und, weil Linda den alten Mann ins Herz geschlossen hat, hilft sie zwischendurch aus. Ewa und die Lust am Leben So kommt sie auch Ewa näher, der warmherzigen, lebensbejahenden Polin, die so ganz anders ist als sie selbst. Während Linda immer wieder darüber nachdenkt, ihrem Leben ein Ende zu setzen, ist Ewa voller Hoffnung auf eine glückliche Zukunft. „`’Leben ist Geschenk‘, sagt Ewa. ‚Darüber lässt sich streiten‘, antworte…
Die Unterwegs-Reihe aus dem Kunth-Verlag kombiniert erfolgreich Bildband, Reiseführer und Atlas. Das gilt auch für die neue Ausgabe „Unterwegs von Slowenien bis Albanien“, die dazu einlädt, den West-Balkan zu entdecken. Umso mehr, als viele der beschriebenen Gegenden bisher von Massentourismus verschont sind. Zum Beispiel Albanien, das nicht nur mit einer großartigen Natur aufwartet, sondern auch mit einer interessanten Geschichte, die bis ins vierte Jahrtausend v. Chr. zurückreicht. Entdeckungen in Albanien Die in den Fels gehauenen Königsgräber der Illyrer nahe Lin unweit des Ohrid-Sees könnten bald Unesco-Weltkulturerbe werden. Dann ist es aus mit dem Geheimtipp. Auch aus der jüngsten Vergangenheit gibt es in Albanien einiges zu entdecken. Noch relativ unbekannt ist die große Pilgerfahrt zum Grabmal des Abbas Ali auf dem Gipfel des Bergs Tomorr am 15. August, ein Volks- und Schlachtfest. Und wer in die Ära des Diktators Enver Hoxha eintauchen will, sollte in Tirana das Museum Bunk‘Art besuchen. Ein besonderes Erlebnis ist sicher eine Nacht in so einem Bunker aus der Zeit Enver Hoxhas am Skutari-See. Der Tourismus ist dabei, Albanien zu verändern. Es besteht die Gefahr, dass alte Traditionen verschwinden wie die der burmesha, der „eingeschworenen Jungfrauen“, die nach dem Tod des Vaters wie ein Mann leben aber…
Mit „Long Island“ knüpft Colm Tóibín an seinen Roman „Brooklyn“ an, in dem die junge Irin Eilis in den 1950er-Jahren zum Arbeiten nach New York kommt und dort heimlich den Italiener Toby heiratet. Bei einem Besuch in der Heimat trifft sie ihre Kindheitsliebe Jim wieder und verbringt mit ihm und den Freunden Nancy und George einen glücklichen Sommer. Rund 20 Jahre später lebt Eilis mit Tony und ihren Kindern in „Long Island“. Doch glücklich ist sie nicht. Denn Tony hat sie mit einer Nachbarin betrogen – und die erwartet ein Kind aus diesem Seitensprung. Flucht in die Heimat Eilis weigert sich strikt, dieses Kind aufzunehmen. Ganz im Gegensatz zur italienischen Großfamilie, die darin kein Problem sieht. Die Irin fühlt sich zunehmend unverstanden in dem Familienverbund und beschließt, zum 80. Geburtstag ihrer Mutter nach Irland zu reisen, um sich über ihre Gefühle klar zu werden. Jim und seine Pläne Doch es kommt anders als geplant. Denn in der irischen Kleinstadt lebt immer noch Jim, der nie geheiratet hat. Allerdings hat er sich nach langem Zögern dazu entschlossen, mit der inzwischen verwitweten Nancy ein neues Leben anzufangen. Bringt Eilis diese Pläne ins Wanken? Es ist vor allem die Sprachlosigkeit der Protagonisten, die…
„Bereits in Berlin und erst recht in London fehlte René aber die Natur: ‚Orte im Freien, die nah und schnell erreichbar sind, um Kraft und Ideen zu tanken‘.“ Wie dem Chocolatier René Romen in Meran geht es vielen Protagonisten, die Karin Lochner und Fotograf Peter von Felbert auf ihrer kulinarischen Reise durch Südtirol getroffen haben. Sie sind zurückgekommen in ihre Heimat Südtirol. Südtiroler Privilegien Andere mussten gar nicht in die Welt hinaus, um ih Zuhause wert zu schätzen. Für Christian Pinggera vom Schnalshuberhof ist es „ein Privileg, in Südtirol geboren und aufgewachsen zu sein. Die Heimat und der gute Boden brächten hochwertige Lebensmittel hervor, „um die Millionen von Menschen auf der Welt die Südtiroler beneiden“. Lupinen und Hornochsen Karin Lochner und Peter von Felbert hatten es in Südtirol leicht, engagierte Produzenten zu treffen. Denn hier ist die Landwirtschaft das Fundament für den Tourismus, und die meist jungen Landwirtinnen und Landwirte besinnen sich wieder auf alte Traditionen und entdecken alte Rezepte neu. Kaffee oder Likör aus Lupinen etwa, alte Gemüsesorten wie Hirschhornwegerich oder Erdnussrucola. Oder sie rehabilitieren das Fleisch männlicher Jungrinder wie Thomas Zanon aus Barbian mit seinem Modell „Barbianer Hornochs“. Käse und Kaffee Autorin und Fotograf stellen über Südtirol hinaus…
Wolf Harlander bleibt auch als Autor Journalist und ist immer nah dran am Zeitgeschehen. Nach seiner Öko-Dystopie „42 Grad“, dem Thriller „Systemfehler“ zum Thema Cyberattacken und dem Klima-Horror „Schmelzpunkt“ beschäftigt er sich in dem Roman „Partikel“ mit dem Problem von Mikroplastik. Dabei setzt er zur Aufklärung auf sein bewährtes Team Nelson Carius und Diana Winkels. Die Folgen von Mikroplastik Ausgangspunkt des Thrillers ist die Havarie eines Frachters vor der marokkanischen Grenze. Das Schiff hatte illegalen Plastikmüll geladen, der nun die Strände Marokkos und Tunesiens überschwemmt. Grund genug, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Doch Harlander hat noch eine zweite – zutiefst menschliche – Geschichte mit eingebaut, um die Dringlichkeit des Themas zu untermauern. Die kleine Zoe ist an Leberkrebs erkrankt – in Folge von Mikroplastik, die sie beim Essen oder Trinken zu sich genommen hat. Eine Heilung, so bescheiden die Ärzte den schockierten Vater – gäbe es nicht. Algen als Lösung? Hoffnung kommt aus den USA, wo eine Therapie gegen die Folgen von Mikroplastik in Erprobung ist. Doch die Millionen-Kosten wird sich Zoes Vater nicht leisten können… Seine Schwester Melissa, die als Volontärin bei einer Online-Plattform arbeitet, soll zum Thema recherchieren – auch bei einem amerikanischen Start-up, das sich rühmt,…