Nicht mehr lang, dann ist Ostern. Doch was soll der Osterhase in diesem Jahr ins Nest legen – außer Schokoladeneiern? Ich hätte da eine Idee. Viele Kinder haben in Corona-Zeiten gelernt, zu Hause zu arbeiten. Den Schulstoff aufzuholen ist trotzdem nicht einfach. Und manche wollen auch mehr wissen über unsere Zeit und ihre Probleme. Oder über sich selbst. Hier sind ein paar Sachbücher, die ich dem Osterhasen gern in die Pfoten legen würde: Ein Virus kommt selten allein Wer wissen will, was eine Pandemie ist oder warum die Coronaviren – ja, davon gibt es viele – „die Intelligenzbestien unter den Viren“ sind, kann sich mit den Biologen Karsten Brensing und Katrin Linke in „Die spannende Welt der Viren und Bakterien“ (Loewe, 192 S., 16,95 Euro, ab 10). Wissbegierige Kids ab 9 erfahren hier, warum Viren keine Lebewesen, sondern Miniroboter sind und warum Bakterien nicht nur schlecht sind, was man unter Herdenimmunität versteht und was an einer RNA-Impfung anders ist. Alle Erklärungen sind kindgerecht, helfen aber vielleicht auch Erwachsenen weiter. Konkrete Nachhilfe gibt‘s durch witzige Illustrationen, Infokästen und Experimente. Ein Super-Nachschlagewerk für kleine und große Menschen, das nicht nur der Virologe Christian Drosten toll findet. Politik ohne viel Worte Politik ist…
1962 waren die Pocken in Deutschland fast ausgerottet, da brachte ein Monteur die Krankheit aus Indien in die Eifel. Es ist eine fast vergessene Geschichte, die Steffen Kopetzky in seinem neuen Roman Monschau aufgreift. Und sie erinnert in vielem an das, was wir derzeit mit Corona erleben. Denn auch damals sorgten Fehleinschätzungen für die Ausbreitung, auch damals war es ein mutiger Arzt, der mit drastischen Maßnahmen die Epidemie zu überwinden half. Zwei Ärzte gegen die Pocken Steffen Kopetzky, der für seine Bücher („Grand Tour“, „Propaganda“) immer viel recherchierte, nennt diesen Arzt beim richtigen Namen: Günter Stüttgen. Auch für den jungen Helden seines Buches, den kretischen Assistenzart Nikolaos Spyridakis hat er ein Vorbild: Constantin Orfanos, im ersten Jahr Arzt, erklärte sich bereit, sich als „Pockenbeauftragter“ für vier Wochen bei der Firma Junker einzuquartieren. Eine Liebe über Grenzen hinweg Rither heißt die Firma im Roman, und die verwaiste Alleinerbin Vera, eine junge emanzipierte Frau, ist – anders als die erkrankten Patienten – wohl Kopetzkys Phantasie entsprungen. Denn der Autor wollte nicht nur die Geschichte einer Seuche schreiben, sondern auch eine Liebesgeschichte, die kulturelle und gesellschaftliche Grenzen sprengt. Der kretische Arzt, der als Kind die Gräuel der deutschen Besatzung miterlebt hat, und die…
Bipolar umschreibt ein Krankheitsbild, eine psychische Störung, die dazu führt, dass die Stimmung zwischen himmelhochjauchzend und am Boden zerstört schwankt. Das Leben ist aus dem Gleichgewicht geraten. Marilu, die Namensgeberin des Romans von Tania Witte, ist bipolar. Und ein typischer Fall. Denn solche Menschen können in der manischen Phase durchaus charismatisch auf andere wirken und sie auch manipulieren, während sie in der depressiven Phase von Selbstmordgedanken heimgesucht werden. Seelenverwandte in der Krise Im Spannungsfeld zwischen Euphorie und Trübsinn fällt es ihnen aber auch schwer, ein „normales“ Leben zu führen. Elli lernt Marilu in einer psychiatrischen Klinik kennen, in der sie wegen eines unüberwundenen Traumas behandelt wird: In problematischen Situationen „versteinert“ sie buchstäblich. Die beiden Teenager erkennen einander als Seelenverwandte und schließen eine tiefe Freundschaft, die in einem Schwur unterm Sternenhimmel gipfelt. Doch Elli überwindet ihre Krise, findet Halt bei ihrem Freund Tom und will am liebsten alles hinter sich lassen – auch Marilu. Ein Rennen gegen die Zeit Doch sie hat die Rechnung ohne die Freundin gemacht. Marilu will sich nicht abfinden mit der Entfremdung und lockt Elli mit einer nur leicht verhüllten Selbstmorddrohung auf eine gefährliche Schnitzeljagd. Begleitet werden soll sie dabei von Marilus jüngerem Bruder Lasse. Beide, so…
Véronique Ovaldé ist eine versierte Autorin. Sie weiß genau, wie sie ihre Leser bei der Stange hält. Das gilt auch für ihren neuen Roman mit dem etwas sperrigen Titel „Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln“. „Sie blickt von ihrer Terrasse auf ein Meer aus Büschen und hohen Kastanien, sie lächelt immerfort, niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln, nicht wahr…“ Der Satz mit dem Titel kommt fast am Ende des Romans, in dem nicht nur gelächelt wird. Das Lächeln als Maske Ein Lächeln könne auch eine Maske sein, sagt die Autorin Véronique Ovaldé. Und Gloria, die alleinerziehende Mutter, die im Zentrum dieses Romans steht, weiß diese Maske zu nutzen. Das hat sie das Leben gelehrt – und so manches mehr. Familienfluch und Mutterliebe Der Roman beginnt damit, dass Gloria ihre Töchter Stella und Loulou mitten aus dem Unterricht abholt und mit ihnen nach Norden fährt, ins Elsass. In einem eher abgelegenen herrschaftlichen Haus hat sie als Kind viel Zeit bei der gefühlskalten Großmutter verbracht. Auch bei der Mutter hat Gloria nie sorgende Liebe gefunden. Diese Lieblosigkeit empfindet sie als Familienfluch. Um dem zu entkommen will sie ihren Töchtern eine perfekte Mutter sein, sie vor allen schlechten Einflüssen und Nachrichten…
Kein Wunder, dass die Autorinnen anonym bleiben wollen. Für ihren Roman „Sex für Wiedereinsteiger“ haben sie sich ganz offensichtlich in ihrem Freundeskreis bedient. Die meisten von uns kennen diese Frauen: Die überforderte Mutter, die unbefriedigte Ehefrau, die unterversorgte Single, die frustrierte Karrierefrau, die Esoterikerin, die Landpomeranze oder die Lesbe… Sie alle treffen sich bei einem Seminar, das ihnen mehr Freude am Sex verspricht. „Schöner kommen in der zweiten Lebenshälfte“ – das wollen sie alle und das wollen wahrscheinlich auch ihre Schöpferinnen. Sex als Stimmungsaufheller „Mila Paulsen ist das gemeinsame Pseudonym zweier befreundeter Autorinnen, die unter ihren wahren Namen seit über zwanzig Jahren erfolgreich Artikel, Kolumnen, Bestseller, Liebes- und Abschiedsbriefe sowie Einkaufslisten schreiben“, heißt es im Klappentext. Auf die Idee zu dem Buch seien sie in einem Gespräch darüber gekommen, „dass großartiger Sex als Stimmungsaufheller besser wirkt als Johanniskrauttropfen und Yoga zusammen“. Tatsächlich macht das Buch Lust und erfüllt in diesen grauen Corona-Zeiten schon mal die Aufgabe des Stimmungsaufhellers. Auch wenn die Retter aus der Frust-Falle ein bisschen zu viel Märchenprinz abgekriegt haben. „Andrea war absolut hingerissen, wie wunderschön dieser nackte, warme Männerkörper aussah. Wie weich und fest zugleich er war. Sogar seine Hände und Füße waren schön, wie konnte das…
Vor allem für Kinder erweist sich der lange Lockdown in der Corona-Pandemie als bleierne Zeit. Umso wichtiger ist es für sie, hin und wieder rauszukommen in die Natur und sich frei zu fühlen. Wer dazu noch Anleitungen braucht, findet sie in Fülle in dem dicken Buch Ausgebüxt . „Kinder sind die besten Abenteurer“ meinen die Outdoor-Freaks Jana und Patrick Heck. Deshalb ermuntern sie dazu, „die Welt draußen durch die Augen der Kinder“ zu sehen und mehr Natur in den Familienalltag zu bringen. Mikroabenteuer vor der Haustür Mikroabenteuer, davon sind die jungen Eltern überzeugt, sind auch in Großstädten erlebbar – oft direkt vor der Haustür. „Am liebsten starten wir direkt vor der Haustür und sind dann für ein paar Tage nur draußen“, schreibt Jana: „Geschlafen wird mitten in der Natur unterm Sternenzelt. Für uns ist das pure Freiheit. Ganz einfach, preiswert und nah.“ Tipps und Rezepte für Nachahmer Damit auch alles gut klappt, erzählen die beiden Autoren in Ausgebüxt nicht nur von den eigenen Erfahrungen, sie geben auch jede Menge Tipps – für die richtige Kleidung und Ausrüstung auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit, zur Packliste und zur Routenplanung. Im hinteren Teil gibt es noch eine ganze Rezeptliste für die Outdoorküche…
Laila Lalami wurde in Rabat geboren und lebt in den Vereinigten Staaten. In ihrem bewegenden Roman „Die Anderen“ schreibt sie über die Folgen auch latenter Xenophobie. Der mehrstimmige Nachruf auf einen Mann, der vor seinem Bistro in der Mojave-Wüste angefahren und getötet wurde, wurde vom Time Magazine als eines der besten Bücher des Jahres bewertet . Denn Laila Lalami erforscht darin unaufgeregt aber eindrücklich das Leben von Menschen abseits des amerikanischen Mainstreams. Zweifel an der Unfall-Version Die Tochter des Opfers, Nora, mag nicht glauben, dass es ein Unfall war. Obwohl integriert, hat die Familie doch immer das Gefühl gehabt, nicht dazu zu gehören, „Die Anderen“ zu sein. Und der Erfolg, den der Vater – Driss – mit seinem Restaurant hatte, erregte wohl auch den Neid der Nachbarn. Nora erinnert sich an einen Brandanschlag. Die Musikstudentin war ihrem Vater immer sehr nah anders als ihre Schwester Salma, die als Zahnärztin gutes Geld verdient. Eine neue Existenz Für die Mutter hat Salma erreicht, wonach sie selbst gestrebt hat, als die Familie von Marokko in die USA auswanderte. Das Leben in der Heimat war unsicher geworden, vor allem für Regimekritiker wie Driss. Mit einem heruntergewirtschafteten Donut-Shop neben einer Bowling-Bahn baut der Philosophiestudent für…
„Was Frauen wollen“ so der Titel ihres neuen Buches, glaubt Isabel Allende genau zu wissen. Schließlich war die chilenische Erfolgsautorin („Das Geisterhaus“) in der eigenen Erinnerung schon im Kindergarten Feministin. Sie wuchs im Haus der Großeltern auf, einem „monströsen Kasten mit zugigen hohen Zimmern“. Der Vater hatte die Mutter mit zwei kleinen Kindern und einem Säugling sitzen lassen. Die Ehe wurde annulliert, die Mutter kehrte ins Elternhaus zurück, und Isabel begriff sehr früh, dass sie gegenüber den Männern der Familie benachteiligt war. Zorn auf den Machismo Damals war Chile „Lichtjahre entfernt von der Frauenbewegung in Europa und den USA“. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die früh so aufsässige Isabel selbst mit 20 heiratete und Kinder bekam – ganz traditionell. Doch die Mitarbeit in einer frauenbewegten Zeitschrift hielt ihren Zorn gegen den lateinamerikanischen Machismo wach: „Wir schrieben mit dem Messer zwischen den Zähnen“ beschreibt Allende ihren Feminismus. Kein Mangel an Männern Isabel Allende hat ein bewegtes Leben hinter sich, in dem es ihr – wie sie schreibt – nie an Männern gemangelt hat. Im späten Alter hat sie nochmal einen Lebensgefährten gefunden. Ihre Enkel halten sie auf dem Laufenden, was Gendersprache angeht und Begriffe wie Polyamorie. „In meiner Jugend…
Die Bücher von Nicola Förg laufen immer noch unter dem Label „Alpen-Krimi“. Doch sie haben sich längst vom Heimatkrimi-Image emanzipiert. Auch stilistisch sind sie anspruchsvoller geworden. Und die Journalistin Nicola Förg zeigt immer wieder, dass sie gut ist im Recherchieren. Im neuesten Krimi um die Allgäuer Kommissarin Irmi Mangold und ihre junge Kollegin Kathi Reindl geht es um den Immobilien-Hype, der nach Ansicht der Autorin dazu führt, dass auch kleine Dörfer „wachsen wie Geschwüre“ und für manche Häuser „astronomische Summen“ verlangt werden. Einblicke in die Allgäuer Seele „Böse Häuser“ lernt Irmi kennen, als sie sich mit ihrem Lebensgefährten Hase auf die Suche nach einem gemeinsamen Zuhause macht. Bei der Besichtigung eines zur Luxusimmobilie ausgebauten Hofes auf dem Auerberg wird einer der Interessenten erschossen. Bei den Ermittlungen im Allgäu unterstützt Irmi den brummigen Gerhard Weinzirl, der ihr in einer gemeinsamen Notlage Einblick in seine Allgäuer Seele gewährt. Wer war Ziel des Anschlags? Der Tote war Besitzer eines Autohauses für Nobelkarossen. Eine davon und ein junger, unerfahrener Fahrer waren in einen schweren Unfall verwickelt. Ein Racheakt der betroffenen Familie? Die beiden Ermittler stellen schnell fest, dass auch der Verkäufer, ein wortkarger Bio-Bauer aus Kanada, das Ziel des Anschlags gewesen sein könnte. Und…
In Joel Dickers neuem Roman „Das Geheimnis von Zimmer 622“ geht‘s drunter und drüber. Auch wenn der Titel erstmal gar nicht so aufregend klingt, die Auftritte der oft undurchschaubaren Charaktere sind so turbulent, ihre Motive so rätselhaft, dass selbst der Autor zwischendurch die Übersicht zu verlieren scheint. Als Autor im Roman Dabei hat er sich auch noch selbst in den Roman geschrieben – in einer Rahmenhandlung, in der auch sein verstorbener Förderer und Verleger auftaucht. Und eine schöne Frau, die ihn bei der Konzeption des neuen Romans antreibt und unterstützt. Dass sie sich am Ende des Buches als Chimäre entpuppt, verwundert nicht mehr. Denn auch im Roman ist kaum etwas, wie es scheint. Nicht einmal auf die Personen selbst ist Verlass. Ein Opfer und viele Verdächtige Es ist deshalb für den Autor die reinste Sisyphos-Aufgabe, das Geheimnis von Zimmer 622 zu lüften. Dass in diesem Zimmer im noblen Hotel Palace de Verbier eine Leiche gefunden wurde, wird schnell klar. Nur wer das Opfer ist, bleibt lange im Dunkeln. Und fast bis zum Schluss kann man höchstens ahnen, wer die Tat begangen hat. Zu viele geraten in den Verdacht, von dem Mord zu profitieren. Dreiecksgeschichte im Bankenmilieu Der ganze Roman spielt…