Max Küng seziert gern seine Mitmenschen – als Kolumnist und als Buchautor. So auch im Roman „Fremde Freunde“. Ein Haus in Frankreich: Wer träumt nicht davon. Jean und Jacqueline haben ihren Traum verwirklicht, aber ihnen laufen die Kosten davon. Warum also nicht Freunde an dem Feriensitz in der französischen Provinz teilhaben lassen? Das Paar lädt die Eltern der Freunde ihres Sohnes auf eine gemeinsame Woche in ihr Haus ein, und Jean verwöhnt die Gaumen seiner Gäste mit enthusiastischer Kochkunst. Gegensätzliche Charaktere Alles sieht gut aus, auch wenn die Paare nicht unbedingt harmonieren. Da sind die herbe und selbstbewusste Graphikerin Veronika und ihr Noch-Ehemann, der wortkarge Zahnarzt Bernhard. Der Gegensatz zu der unsicheren Sängerin Salome und dem von sich überzeugten aber nicht ganz so erfolgreichen Schauspieler Filipp könnte nicht größer sein. Und dann die Gastgeber: Der rundliche Genussmensch Jean und seine etwas naive Jacqueline. Merkwürdige Ereignisse Ganz allmählich schleichen sich Zweifel an dem Projekt ein, merkwürdige Ereignisse stören die oberflächliche Harmonie. Misstrauen keimt auf. Die Spannungen zwischen Veronika und Bernhard trüben die Ferienlaune, und Veronikas ungeniert zur Schau getragene Attraktivität bringt Filipps und Jeans Hormonhaushalt in Wallung, während Filipps ausgestellte Männlichkeit Jacquelines Träume beflügelt. Fremde in Frankreich Max Küng beschreibt in…
Was wäre, wenn sich Russland, die USA und China zusammentäten, um gemeinsam gegen den Klimawandel in den Krieg zu ziehen? Dirk Rossmann, seines Zeichens Drogeriemarkt-König, Schröder-Freund und dank offensiver TV-Werbung auch Bestseller-Autor, hat sich dieses Szenario für seine Roman „Der neunte Arm des Oktopus“ ausgedacht. Dass sich der eher nicht von allzu großer Bescheidenheit geplagte Unternehmer am Ende auch noch selbst in den Roman hineingeschrieben hat oder hineinschreiben hat lassen, geschenkt. Ein Komplott gegen die großen Drei Die Idee ist zwar utopisch, aber deswegen nicht schlecht. Natürlich formiert sich auch sogleich Widerstand gegen die geballte Macht der großen Drei oder G3. Vor allem Kriegsgewinnler wie Waffenhändler und Militärs sehen ihre Felle davonschwimmen. Böse Mächte schmieden also ein Komplott, das ihnen die Hoffnung auf weitere Kriege erhalten soll. Und welcher Staat taugt wohl besser als Übungsgelände als Brasilien? Der Koch als Held wider Willen Da regiert allerdings nicht Bolsonara, obwohl der gut ins Schema gepasst hätte, sondern ein Diktator namens Batista. Und während Xi weiter in China herrscht und Putin in Russland, heißt die US-Präsidentin Kamala Harris. Rossmann will ja nah an der Wirklichkeit bleiben. Zum Helden wider Willen wird dann ausgerechnet ein Koch, der als Caterer zufällig von den finsteren…
Als literarisches Wunderkind wurde Benedict Wells (Foto: Roger Eberhard) gepriesen, als er mit Anfang 20 den Roman „Becks letzter Sommer“ veröffentlicht hatte – in seinem Wunschverlag Diogenes, dem er bis heute treu geblieben ist. Inzwischen ist der Name Benedict Wells fast schon Garant für Bestseller. Auch der jüngste Roman „Hard Land“ eroberte im Nu Platz 1 auf der Spiegel-Bestsellerliste. Immer wieder gelingen dem jugendlich wirkenden Deutsch-Schweizer, Jahrgang 1984, Bücher, die Kritiker als „Meisterstück“ bezeichnen und nach deren Lektüre nicht nur Fans behaupten, dass dieser Autor „schreiben kann“. Anfangs nur Absagen Eine Genugtuung für Wells, der mit anderen erfolgreichen Schriftstellern die Erfahrung teilt, am Anfang nur Absagen kassiert zu haben. Nach Schuljahren, die er ab dem Alter von sechs Jahren vorwiegend in Internaten verbracht hatte, und dem Abitur, entschied er sich fürs Schreiben und zog von München nach Berlin, in ein „fabelhaft schäbiges Einzimmer-Appartement“ – voller Erwartung auf ein Schriftsteller-Leben. „Tagsüber jobbte ich, nachts saß ich gespannt vor einem weißen Blatt und versuchte, es mit Leben zu füllen.“ Lieblingsautoren als Lehrer Seine Lehrer waren Lieblingsautoren wie Steinbeck, Nabokov, Tolstoi, Marc Twain aber auch Otfried Preußler mit Krabat und Stephen King mit „Das Leben und das Schreiben“. Vor allem aber John Irving,…
Kaum zu glauben: Janosch, dieser ewig junge Rebell, wird 90! Als Kinderbuchautor hat er Furore gemacht, und manche Eltern verschreckt. Denn Janosch ist alles andere als angepasst. Er hat sich das Anarchistische seiner Jugend bis ins hohe Alter bewahrt. Seine Inhalte sind antiautoritär und provokant, auch wenn sie als nette Bilderbücher daherkommen. Wie das weltberühmte Buch über Tiger und Bär und ihre Reise nach Panama. Riesenparty mit Überschwemmung Selbst in die „Riesenparty für den Tiger“, die der Beltz-Verlag zum 90. Geburtstag des Autors herausbrachte, schleicht sich Rebellisches ein: Weil ihm die Party zu lasch ist und er sich mehr Rabatz wünscht, setzt Günter Kastenfrosch einfach die Bude unter Wasser „Heerjemine, war das eine Freude für die Gäste!“. So richtigen Rabatz wird sich der Jubilar auf seiner Insel wohl kaum mehr wünschen. Auch ein Janosch wird ruhiger. Die philosophische Seite des Autors hat die Zeit bis vor kurzem in ihrem Magazin gefeiert und ich habe mich immer auf den nächsten „Wondrak“ gefreut. Nachzulesen sind die Kolumnen in dem Buch „Herr Wondrak, wie kommt man durchs Leben?“ Viel Tröstliches ist unter den kurzen Sprüchen, sie sind getränkt von einer warmen Mitmenschlichkeit. Kindheit in der Hölle Die hat der Künstler in seinem eigenen…
Es ist eine andere Welt, von der die gebürtige Augsburgerin Margit Ruile in ihrem Science Fiction Roman „Der Zwillingscode“ erzählt. Eine Welt der Zukunft, in der womöglich der Mensch von seiner eigenen Schöpfung entthront wird. Vincents Mutter hat diese Möglichkeit voraus gesehen und einen Zwillingscode hinterlegt, mit dem sich die Entwicklung aufhalten lässt. Schein und Sein Schon das Versteck ist so kompliziert, dass Vincent beinahe daran scheitert, es zu entdecken. Doch er findet ganz unerwartete Helfer. Der unbeholfen wirkende Quririn und die scheinbar oberflächliche Delia entpuppen sich als schlaue Checker. Ohne sie wäre Vincent, der sich mit der Reparatur von mechanischen Haustieren der Firma Copypet über Wasser hält, verloren. Mechanische Doppelgänger Trotz seines miesen Sozialpunktestands hat er sich eingerichtet in einer Welt, in der immer mehr echte Tiere durch mechanische ersetzt werden und in den Ämtern immer mehr „Twins“, künstliche Menschen, die echten Menschen verdrängen. Doch eines Tages bringt eine alte Frau ihre künstliche Katze zur Reparatur, weil sie plötzlich die Krallen ausfährt. Die Wohnraumverwaltung droht mit Rausschmiss, und in einem Laden für mechanische Tiere stößt Vincent auf einen Mann, der seine Mutter gekannt hat und mehr über sie zu wissen scheint. Simulation der Realität Für den 17-Jährigen Grund genug,…
Ein Schimpanse als Lebensgefährte? „Tiere sind auch nur Menschen“, heißt es eher scherzhaft. Doch wie menschlich sind Tiere wirklich? Der amerikanische Erfolgsautor T.C. Boyle („Wassermusik“, „Amerika“, „Die Terranauten“) geht in seinem neuesten Roman „Sprich mit mir“ der Frage nach, ob Tiere uns nicht ähnlicher sind als wir denken. Zum Beispiel Affen. Der Schimpanse als Kleinkind Sam, der Schimpanse, den Professor Guy Schemerhorn in eine TV-Show bringt, kann in der Gebärdensprache nicht nur einen Cheeseburger bestellen, sondern auch seinen Namen sagen. Wie ein Kleinkind wird er von Wissenschaftlern umsorgt, trägt anfangs Windeln und Latzhose und isst mit am Tisch. Vor allem für Frauen entwickelt Sam ein besonderes Faible. Doch zu keiner fühlt er sich so hingezogen wie zu der schüchternen Studentin Aimee. Ende einer Menage à trois Die beiden entwickeln eine eine einzigartige Beziehung zu einander, in die anfangs auch der Professor eingebunden ist. Dass er und Aimée ein Liebespaar werden, verfolgt Sam mit der Eifersucht eines Liebhabers. Es ist eine verrückte aber glückliche Menage à trois, bis Guys Mentor das Projekt Sam abbricht und den Schimpansen zurückholt – in einen Laborstall mit anderen Affen. Während Guy resigniert aufgibt, wird Aimée zur Rebellin. Sie reist Sam nach und verdingt sich als…
Ach, wie habe ich diesen Kater geliebt: Elke Heidenreichs Nero Corleone ist mir ans Herz gewachsen als wäre es mein eigener. Ja, auch unser Mikesch war ein Streuner gewesen, ein schöner grauer Tiger mit einer ganz eigenen Persönlichkeit, der uns per Zufall ins Haus geschneit war. Die Söhne waren allesamt hin und weg über den vierbeinigen Familienzuwachs und mutierten über Nacht zu Katzenfans. Hinauswurf aus Neros Katerwelt Und dann habe ich dieses Buch entdeckt – Nero Corleone mit Bildern von Quint Buchholz. Wir haben es alle gelesen, dem Jüngsten habe ich es vorgelesen – und alle, auch der Vater, waren hingerissen. Nero hat uns verzaubert – und das „Aus“ im Buch erschien uns wie ein Hinauswurf aus Neros Kater-Welt. Wir aber wollten ihn gar nicht loslassen, haben das Buch wieder und wieder gelesen. Und der Jüngste hat sich angeeignet – und später auch mitgenommen in die eigene Wohnung in Berlin, in der jetzt auch Katzen leben. Willkommene Rückkehr Als Elke Heidenreich ihren Nero dann zurückkehren ließ, da hießen wir ihn so herzlich willkommen wie die Isolde im Buch. Auch die Söhne, die schon (fast) erwachsen waren. Wieder machte das Buch die Runde und wieder war es der Jüngste, der es…
Der „Rother“ – fast schon ein Synonym für die Gattung Wanderführer. Die handlichen Bücher in ihrem unverkennbaren Rot sind bei Wanderern, Bergsteigern und Aktivurlaubern gleichermaßen beliebt, führen sie doch auf den schönsten Wegen in die Alpen, in die Mittelgebirge und ins Flachland sowie in die beliebtesten Urlaubsziele weltweit. Längst hat sich der Verlag zum deutschen Marktführer im Segment Wandern etabliert. In diesem Jahr kann der Rother Bergverlag seinen 100. Geburtstag feiern. Leidenschaft für Berge und Bücher Begonnen hat alles mit Rudolf Rother sen., der nicht nur passionierter Bergsteiger war, sondern auch gelernter Buchhändler. Am 16. November 1920 übernahm er den Bergverlag, der ein Jahr zuvor von einer Gruppe Bergsteiger als Genossenschaft gegründet worden war. Schnell scharte er die wichtigsten Berg-Autoren um sich. Von Anfang an ging es ihm darum, „den Menschen im Tiefland Wege zu weisen zu den Höhen der sommerlichen und winterlichen Berge“. Erfolg auch im Nationalsozialismus Er selbst begeisterte sich für alles, was mit Bergen zu tun hatte. Neben Büchern erschienen die wichtigsten Alpinzeitschriften, sogar eine Abteilung für Bergfilme kam hinzu. Für die größte Furore sorgten die „Bergverlags-Skikurse“ ab 1925/26: Sie zogen Skischüler aus ganz Deutschland in die Alpen. Von einem Kurs mit etwa 50 Teilnehmern im ersten…
„Wenn wir so weitermachen wie bisher, Wälder und andere Lebensräume zerstören, Luft, Wasser und Boden verschmutzen, stehlen wir unseren Kindern und Kindeskindern die Zukunft“ schreibt Jana Goodall im Vorwort zu dem eindrucksvollen Bildband „Wilder Wald“, der sich mit der 50-jährigen Erfolgsgeschichte des Nationalparks Bayerischer Wald befasst. Wo die Natur Natur sein darf „Natur Natur sein lassen“, war von Anfang an die Philosophie in Deutschlands ältestem Großschutzgebiet. Sie stieß nicht überall auf Verständnis, wie aus der Vorgeschichte hervorgeht. Doch Alexandra von Poschinger fand für ihr Buchprojekt engagierte Menschen, die sich der ökologischen Verantwortung stellen. Namhafte Künstler und Naturschützer, Naturfilmer und Grünenpolitiker, Klimaforscher und Sportler, Unternehmer und Kirchenmänner gaben ihr Auskunft über ihre Ideale und Visionen. Bäume gegen den Klimawandel Unter ihnen auch Felix Finkbeiner, der sich schon im Alter von zehn Jahren für Bäume gegen den Klimawandel stark machte und die Stiftung „Plant for the planet“ gegründet hat. Sie sprach aber auch mit Waldbesitzern und ließ sich von Gloria von Thurn und Taxis den Zusammenhang von Umweltschutz und Fegefeuer erklären. Naturschutz und Naturnutzen Man erfährt viel über Naturschutz und Naturnutzen in diesem schön gestalteten Buch mit den vielen beeindruckenden Fotografien. Auch dank der Förster, Forscher und Pädagogen, der Ranger und der…
Lesen ist für mich seit Kindesbeinen das liebste Hobby – neben reisen. Denn auch beim Lesen kann ich reisen. Im Kopf, in Traumwelten, in andere Zeiten. Zurück in die Vergangenheit oder in eine ferne Zukunft. Als Kind haben mich die Grimmschen Märchen begeistert, und diese Begeisterung habe ich an meine Kinder weiter gegeben. Vieles, was in den Märchen angelegt ist, finde ich auch in der modernen Literatur wieder. Geht es doch hier wie dort um existentielle Fragen, um das, was unser Menschsein ausmacht und wie wir mit der Zeit, die uns hier auf Erden bleibt, umgehen. Was wir daraus machen. Ein echter Mutmacher ist mir Anfang des Jahres mit Danny Beuerbach über den Weg gelaufen, dem Friseur, der sich von Kindern (und Erwachsenen) Bücher vorlesen lässt und inzwischen auch selbst zum Autor geworden ist (https://lilos-reisen.de/die-fabelhafte-welt-des-danny-beuerbach/). Danny ist ein Bücher-Fan wie ich und auf seinem magischen Teppich bekommen auch die größten Lesemuffel Lust auf Lesen. Bei den 37. Baden-Württembergischen Literaturtagen ist der Vorleser-Friseur auch dabei – am 23. und 24. Oktober in Wangen im Allgäu. Zum ersten Mal arbeiten drei Städte bei dem Festival zusammen: Neben Wangen geben auch Isny und Leutkirch noch bis zum 14. November der Literatur eine Bühne….